Tag der Besinnung zur Demokratie diesen Samstag – aus persönlicher Sicht

Diesen Samstag, also am 9. November ist es wieder soweit – ein Feiertag, der einem, wenn er damals dabei gewesen war, heute noch die Tränen in die Augen drückt, steht vor der Tür: Wir feiern den Fall der Mauer und damit die Befreiung der DDR-Bevölkerung von einer Diktatur, die wir, und mit „wir“ meine ich all diejenigen, die „wir“ so gesehen damals noch gar nicht als Diktatur wahrnehmen konnten. Aus dem einfachen Grund, weil „wir“ damals noch zu jung waren, um die Tragweite des ganzen Geschehens auch nur ansatzweise verstehen zu können.

„Wir“ – nein, wir machen es konkret – „ICH“ wuchs damals wohlbehalten in einem geschlossenen System auf. Geschlossen? Ja, nur noch nicht erkennbar.  Für einen Hamster sieht ein Laufrad von innen auch aus wie eine Karriereleiter. Alles war geplant, alles war organisiert. Jungpionier, Thälmannpionier, FDJ… Der ganz normale Werdegang, dem man sich nicht entziehen konnte. Als Jugendlicher stellte man sich ohnehin kaum Fragen, na gut, vielleicht ob die Blonde aus dem Nachbarhaus mit einem gehen möchte. Sowas eben. Mit 14 Jahren. Vielleicht konnte man es auch nicht verstehen, wenn einem im Lager für Arbeit und Erholung (Zivildienst) die heimlich mitgenommene „Bravo“ weggenommen wurde, vielleicht man auch deswegen nachts um drei Uhr bei minus fünf Grad nur in Unterwäsche bekleidet 3.000 Meter auf dem Exerzierplatz bewältigen musste oder warum man in der Schule damals auf keinen Fall sagen durfte, das zuhause frühs in der Küche im Kofferradio auf dem Kühlschrank „RIAS Berlin“ dudelte, wenn auch so verrauscht, dass man kaum etwas verstehen konnte.

Später dann – Kinder meiner Generation kennen den Eindruck: Ihr gingt rein in einen Intershop – und dann war alles perfekt! Habt ihr noch den Geruch in der Nase? Ja? Und dann saht ihr Dinge, bei welchen ihr heute einfach nur vorbei laufen würdet. Ja, auch wir Ossis wurden in den letzten 30 Jahren verwöhnt….

Und ausgenutzt. Ich möchte jetzt bei weitem nicht polemisieren, trotzdem ist das West-Ost-Lohngefüge auch heute – dreißig Jahre nach dem Ganzen – mehr als signifikant.

Nicht nur das ist die Ursache von dem, was wir heute sehen, insbesondere in den Sozialen Netzwerken – Linke, Rechte, Hasstiraden, Selbstzerfleischung, Misstrauen – alles Dinge, die so nicht geplant waren. Unterschiedliche Meinungen gab es schon immer und wird es immer geben, nur sollten wir gerade auch in diesen politisch angespannten Zeiten damit umzugehen wissen. Geht nicht auf einander los! Akzeptiert die Meinung der Anderen! Es gibt nicht nur „Nazis“ und „Zecken“ – das Spektrum dazwischen ist nun mal bunt! Jede Seite hat Vor- und Nachteile! Warum wählen denn in Ostdeutschland rund 25% die AfD? Weil sie unzufrieden sind! Warum wählen denn so viele die Linken? Weil sie unzufrieden sind!

Mensch, Leute! Schmeißt doch mal all eure Probleme in einen Pott und versucht nicht, einen Hauptschuldigen auszumachen! Versucht nicht, die paar Hansels an Ausländern für eure Probleme verantwortlich zu machen! Geht nicht auf einander los! Respektiert die Meinung Anderer! Versucht zu erkennen, wer sich wirklich für euch und unsere Meinung einsetzt! Und nutzt den 9. November, um euch mal wieder darüber bewusst zu werden!

Zittau machts möglich!

Zu Ehren dieses Tages findet am 9. Oktober um 18:30 Uhr die offizielle Gedenkveranstaltung der Stadt Zittau „Tag der Besinnung zu Demokratie und Friedfertigkeit“ statt. Im Vorfeld findet um 18:00 Uhr noch ein ökumenischer Gottesdienst in der Kirche Mariä Heimsuchung statt. Die darauffolgenden Abendveranstaltungen werden angeboten von der Hillerschen Villa in Zusammenarbeit mit dem Freiraum e.V., der Kreismusikschule und dem Niederschlesischen Musiksalon.

Anmerkung: Dieser Beitrag stellt explizit die Meinung des Verantwortlichen Marco Huber dar, alle weiteren Beteiligten dies Nachrichtenportals bleiben davon unbetroffen!

Folge uns auch auf Facebook!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.